06.03.2020 | 1. Arbeitstreffen

Am 06.03.2020 fand das 1. Arbeitstreffen der Arbeitsgruppe „Erhalt von zeitgenössischen Photographien“ im Artfoyer der DZ Bank Kunstsammlung statt. Das ausführliche Protokoll zu dem Arbeitstreffen kann hier (Protokoll_eTDP-Treffen_06032020) runter geladen werden. Wir sind offen für Anregungen, welche uns gerne per Email (info@etdp.de) zugesandt werden können. In Folge der Erweiterung unserer Internetseite können Sie später auch direkt Kommentare auf unserer Seite hinterlassen.

01.02.2020 | Konzeptentwurf für eTDP

Erweiterte Technikdokumentation für Photographien

Hilfestellungen für die Dokumentation relevanter Information zum Erhalt zeitgenössischer Photographie.

Das zu erarbeitende Dokument gibt Empfehlungen für eine nachhaltige Dokumentation von Informationen, die für den Erhalt von zeitgenössischen Fotografien relevant sind. Grundlage dafür ist eine einheitliche Dokumentation aller relevanten materialimmanenten Werte rund um die Fotografie in einer sogenannten erweiterten Technikdokumentation für Photographien (eTDP / extended technical documentation of photographs), die zunächst auf einer detaillierten Herstellungs- und Materialdokumentation basiert.

Die eTDP wird parallel zur Erstproduktion einer Fotografie erstellt und somit vom Produzenten ausgefüllt.

Die eTDP bietet durch das Erfassen der Referenzwerte zum Zeitpunkt der Erstellung des Kunstwerks die Möglichkeit, Veränderungen am Werk durch den Abgleich mit den Werten des Ist-Zustands objektiv nachzuverfolgen. Als Referenzwerte zählen zum einen die am Original gemessen Werte, wie Beispielsweise die Farbwerte, und zum anderen die Dokumentation der gesamten Verarbeitung sowie der verwendeten Materialien und Geräte. Dies kann als Hilfestellung zur Entscheidung für oder gegen die Reproduktion dienen. Die Reproduktion einer Fotografie unter Zuhilfenahme der eTDP kann herstellungsbedingt geringfügig vom Original abweichen, da es nach dem heutigen technischen Kenntnisstand nicht möglich ist, völlig identische Abzüge zu erstellen. Man hat jedoch die Möglichkeit, die Differenz zwischen beiden Abzügen zu dokumentieren und objektiv die Qualität der Reproduktion zu bewerten.

Zum jetzigen Zeitpunkt und in absehbarer Zukunft ist und wird es noch möglich sein, die Reproduktion nasschemisch verarbeiteter Fotografien anzufertigen, allerdings stellen obsolete Materialien und Verfahrensprozesse ein zeitsensitives Risiko dar. Zu einem späteren Zeitpunkt in unbestimmter Zukunft wird es sicherlich nur noch möglich sein, die ursprüngliche Herstellungsweise unter Zuhilfenahme der Informationen und Werte aus der eTDP auf andere Herstellungs- oder Präsentationsweisen zu transferieren, da Materialien nicht unendlich zur Verfügung stehen werden und die Industrie in die Weiterentwicklung neuer Verfahren investiert.

Es erscheint ratsam, auch bei Fotografien, deren Produktion in der Vergangenheit liegt, eine eTDP nachträglich zusammenzustellen, bevor sich die Fotografie noch weiter von ihrem ursprünglichen Zustand entfernt.

Die eTDP beschäftigt sich zunächst mit der detaillierten Herstellungs- und Materialdokumentation. Nach Abschluss der eTDP sollen mithilfe von Experten_innen aus unterschiedlichen Fachbereichen weitere Überlegungen zu folgenden Fragestellungen erörtert werden:

  • Langfristige Sicherung und Zugänglichkeit der eTDP und Materialmuster,
  • Kriterien für die Reproduktion,
  • Erfassung von autorisierten Schäden kurz nach Herstellung,
  • Kriterien für tolerierte und nicht mehr tolerierbare Veränderungen,
  • Handling-Hinweise.

Die sich daraus ergebenden Kenntnisse sollen weitere Hilfestellungen zum Umgang mit Veränderungen, Schäden und Erkenntnissen zu Erhaltung und Pflege von zeitgenössischen Fotografien geben. Diese sind nicht nur für Sammlungen im musealen Umfeld, sondern auch für Galerien, Sachverständige und Gutachter im Bereich der monetären Bewertung, bei Schadens- und Versicherungsfällen, und der Provenienzforschung relevant.

Die eTDP, mit ihrer Fülle an Informationen sowie den verbundenen analogen und digitalen Referenzen, ist, um Missbrauch vorzubeugen, in einem nationalen bzw. internationalen Archiv zu verwahren und der Zugriff darauf auf autorisierte Institutionen wie z. B. Sammlungen, Restauratoren, Nachlassverwalter, Produzenten usw. nach vorheriger Identitäts- und Notwendigkeitsprüfung individuell zu beschränken.

 

gemeinschaftlicher Entwurf von Dipl.-Rest. (FH) Jessica Morhard, Dr. Nina Quabeck, Markus Paul Müller, Prof. Dr. Irene Brückle und PD Dr. Ute Henniges